2015: Ein Rückblick mit optimistischem Ausblick

2015: Ein Rückblick mit optimistischem Ausblick

Ich hatte mir vorgenommen, dieses Jahr auf einen Rückblick zu verzichten, weil ich ehrlich gesagt etwas müde war. Nachdem ich aber André Spangs interessanten Rückblick las, den er auf seinem Blog veröffentlichte, fühlte ich mich doch ermutigt. Besonders in Hinblick dessen, dass es genau Leute wie André waren, die mich vor vier Jahren dazu bewegten, diesen Blog anzulegen (der Blog, das Blog – beides erlaubt 😉

Ursprünglich gedacht als reiner Projektblog, hat er sich dieses Jahr komplett neu orientiert. Nicht thematisch, da ist es recht klar definiert, aber losgelöst von der ursprünglichen Form des Blogs der Waldschule Hatten. Nicht zuletzt zeigt sich dieser Schritt in der namentlichen Umbenennung. Eyk und ich wollten uns freier bewegen und unsere Erfahrungen als Medienberater hier mehr einfließen lassen und diesen Blog für Menschen führen, die auf ihrem Weg zur Digitalisierung von Schule und Unterricht Hilfe und Anregungen benötigen. Digitalisierung… seit Jahren eines der Streitthemen und nach wie vor oft stiefmütterlich behandelt. Politisch und curricular vorgegeben, wirtschaftlich und gesellschaftlich längst gefordert, ist es dennoch an vielen Schulen ein in der Priorisierung sehr weit unten angesiedeltes Thema. Ich möchte noch einmal auf André eingehen, der von zeitweiligem Pessimismus spricht auf seiner “Mission”. Ja, diese kenne ich auch sehr gut. Es ist ein zähes Geschäft manchmal. Dennoch kann ich auf ein sehr bewegtes Jahr zurückblicken. Zahllose Schulungen, Vorträge, Fortbildungen und Gespräche in verschiedenen Bundesländern gaben mir einen guten Eindruck über die bundesdeutsche Bildungslandschaft und die immer gleichen Probleme. Das Denken über die Grenzen hinaus, die Vernetzung, das Nutzen von Kompetenzen aus anderen Bundesländern zählt für mich mittlerweile zu den wichtigsten Aufgaben überhaupt. Es gibt so viele Vordenker und Pioniere, so viele tolle Ideen und Projekte, die dabei helfen können, das digitale Arbeiten an Schulen voranzubringen. Lasst uns aufhören nur bis zur Landesgrenze zu denken!

Eine mich sehr nachdenklich stimmende Tendenz habe ich 2015 leider auch wahrgenommen. Viele Pioniere verlassen ihre Schulen. Sie gehen in Ämter, an Institute oder komplett aus dem Schulleben heraus, auch das gibt es. Warum mag das so sein? Ist Schule nicht bereit für Visionäre? Machen diese Leute anderen Kollegen Angst? Passen sie nicht in das System? Oder ist es eine immer größer werdende Kluft zwischen analog und digital in den Kollegien, die beiden Seiten Scheuklappen aufsetzt?

Vermutlich werden alle Punkte eine Rolle spielen, ganz erschreckend aber finde ich, dass vielen dieser Pioniere und Visionäre Feindseligkeiten entgegengebracht werden. Ein Phänomen, das sich zu wiederholen scheint und vor allem in Schulen auftritt, die bereits mehrere Jahre digitale Erfahrungen gesammelt haben. Der Schritt vom Schulprojekt zum Schulprofil scheint schwieriger als die Initialzündung. Die ganzheitliche Umsetzung scheint auch nach mehreren Jahren ein Schritt zu sein, der bei vielen Kollegien und Schulleitungen dafür sorgt, eine Handbremse zu ziehen. An dieser Stelle wünsche ich jedem Pionier breite Schultern und am besten ein starkes Team hinter sich. Einzelkämpfer sind hier schnell “verbrannt”.

Dieses Jahr starteten zahlreiche tolle Initiativen, landesweite Projekte und Events, die mittlerweile konzeptionell Hand und Fuß haben. Es wird angefangen, größer zu denken. Einerseits von Seiten der Landesregierungen, anderseits aber auch von Seiten mutiger Schulen. Vielerorts wird erkannt, dass eine Leuchtturmklasse zwar nett ist, aber wenig nachhaltig. “Think Big!” Viel wichtiger ist es, dass sich aber konzeptionell viel getan hat. Schulen profitieren von den Erfahrungen und Fehlern der “Frühstarter” und entwickeln sich weiter. Man tauscht sich aus und vernetzt sich. Einen ganz wesentlichen Teil zum Erfolg haben nicht zuletzt die Landesinstitute, wie das NLQ in Niedersachsen, die Schulen auf ihrem Weg begleiten und umfangreiche Angebote in allen Bereichen digitaler Themen bieten. An dieser Stelle ein Lob an meine Medienberaterkollegen, es macht riesigen Spaß, mit euch zu arbeiten. Mit ca. 100 Beratern kann man auch in einem großen Land wie Niedersachsen vieles auf die Beine stellen…

Eines scheint sich allerdings noch viele Jahre wie ein roter Faden so weiter durch die Schullandschaft zu ziehen, die ideologischen Grabenkämpfe. Ob 1:1  Ausstattung mit homogenen Geräten, BYOD, Apple, Android oder Microsoft… who cares? Jeder einzelne Lehrer, jede Schule, jede Landesinititative wägt ab, wie und mit welchen Geräten es an den Start geht. Datenschutz, Administration, Preis, Ausbildungsstand der Kollegen, methodische Überlegungen… viele Dinge sind abzuwägen. Aber eines ist eine riesige Handbremse bei der Entwicklung der Digitalisierung, das “Miesmachen” des jeweils anderen Systems. Es gibt tolle Geräte und Projekte in allen Welten, die komplett unterschiedliche Ausrichtungen haben. DAS gilt es abzuwägen, nicht das gut oder schlecht. Mich nervt es nach 7 Jahren digitaler Arbeit und 4 Jahren Erfahrungen mit dem iPad. Und ja, ich sage bewusst iPad, weil ICH mich dafür entschieden habe… aus Gründen.

Es tut sich etwas in deutschen Schulen – das ist nicht mehr von der Hand zu weisen. Das Interesse ist riesengroß bei vielen Kollegen. Ein toller Beweis waren die Teilnehmerzahlen unseres alljährlichen Events mobile.schule in der Uni Oldenburg, die mit 500 Gästen super besucht war. Viel mehr als die Teilnehmerzahl allerdings freute uns die Reichweite dieser Veranstaltung. Aus allen Bundesländern kamen Kollegen zu uns, setzten sich stundenlang in Züge, Autos oder flogen nach Oldenburg, nahmen sich Hotelzimmer und waren Teil dieses tollen Events. Mehr Anerkennung konnten wir nicht bekommen. Danke dafür!      Die Planungen für 2016 sind bereits fast abgeschlossen und die Workshops stehen fest. Ab Januar beginnen wir mit den Anmeldungen und wir würden uns sehr über eine ähnliche Resonanz freuen. Das Referenten- und Teilgeberfeld ist gigantisch… Wir freuen uns riesig!

Wenn 2016 weitermacht wie 2015 weitgehend verlief, bereite ich mich auf ein tolles Jahr vor. Ich wünsche mir, weiterhin Akzente zu setzen und Neugierde zu wecken, hier und da zu sehen, dass man es geschafft hat, eine kleine Flamme in einer Schule gesetzt zu haben. Ich wünsche mir viel Zeit im Zug und im Flieger, tolle Gespräche mit analogen und digitalen Kollegen, interessante Veranstaltungen und innovative Ideen, damit ich weiter Teil dieser spannenden Bewegung sein kann. Eine Bewegung, die Schule auf kurz oder lang revolutionieren wird. Da geht kein Weg dran vorbei.

Comments ( 2 )

  • Hofmann

    Lieber Andreas,
    Eyk und Mitstreiter hier,

    es braucht begeisterte Menschen

    wie Euch

    mit einem ganzheitlichen Ansatz,  einem demokratischen Menschen- und Bildungbild, was mehr Freiheit erfordert, zulässt als bisher.

    Es braucht scheinbar Mut,  individuelles Lernen als Recht auf Förderung eines jeden Schülers anzuerkennen und umzusetzen, vom Hochbegabten bis zum iKind, was in einer Schule für alle, inkl. der Inklusion gedacht, nur digital in Projekten mit Herz, Hand und Verstand geht und natürlich Fragen und Folgen in allen Formen von Schule aufwirft.

    Digital zu Arbeiten bedeutet den Abbau von Hierachie, Macht und erfordert direkt runde Tische, um alle Blickebenen und Bedürfnisse zeitnah in den Diskussionspool zu bringen, weil alles mit jedem sich vernetzt.

    Das erzeugt nachvollziehbare Ängste und Widerstände.

    Wer sich aber nicht weiterentwickelt, den schiebt die Geschichte einfach an den Rand.

    Das gilt für das kleinste Rad unserer Bildungskultur, z.B. die Lehrer, bis zum System Staat.

    Vernetztes Arbeiten und Denken will gelernt werden.

    Aber kann (kaum) nicht gelernt werde in den alten Formen und Strukturen!

    Es geht um den puren Blick:
    Wie lernt ein Schüler nachhaltig neugierig individuell und im Team am besten?

    Hier ein herausgegriffenes gutes Beispiel einer Schule, die sich auf all diesen Gebieten, mit der Gemeinde und den Politikern, auf den Weg gemacht hat.

    Das Leitbild und u.a. der besondere Schulbau drückt dies aus:
    http://www.lernhaus-im-campus.de/index.php/konzept/leitbild
    http://www.lernhaus-im-campus.de/index.php/konzept/leitbild

    und, was wir nicht vergessen sollten, als Kraftquelle für die holprigen Stellen auf dem Weg in die Zukunft:

    “Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.” (Antoine de Saint-Exupéry)

    Friedel Koch

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