Die digitale Kluft und die Kontraproduktivität des Hypes

Die digitale Kluft und die Kontraproduktivität des Hypes

Um es vorweg zu nehmen, ich fordere die Priorisierung des digitalen Lehrens und Lernens jetzt und hier, bin überzeugt davon, dass digitales Arbeiten den Mehrwert (mein Unwort der letzten Jahre) bietet, den die meisten suchen und bin in meiner Funktion als Medienberater weder frustriert noch desillusioniert. Nein, ich brenne für das Thema.

Ich sehe jedoch momentan eine Entwicklung, die mir zunehmend Sorgen bereitet, und zwar die Verbreiterung des analog- digitalen Grabens, der sich durch die zunehmende Digitalisierung auf der einen Seite und die damit verbundenen Ängste und Sorgen auf der anderen mehr und mehr zu durchziehen scheint. Eine Entwicklung, die ich seit ein, zwei Jahren als stark zunehmend wahrnehme. Vor fast 5 Jahren startete auch meine Schule durch meine Initiative mit Superlativen, „erste iPad- Schule Niedersachsens/ der Region/ bundesweit (was nicht stimmte)“ – „Mobiles Lernen auf hohem Niveau“ wurde da propagiert. Es ging tatsächlich ein Ruck durch die Schule, viele Kollegen waren begeistert, die Idee fand Anklang und die neue Geräteklasse öffnete Türen und Neugier. So far so good. Was sich aber auf der anderen Seite auch aufbaute, waren die Zweifler, die durch die zunehmende Popularität der Idee schnell zu Gegnern und Verweigerern wurden. Die Angst, man könne nicht mithalten, die Schüler seien fitter oder auch die Angst vor einer enormen Mehrarbeit taten ihr Übriges. Geäußert werden diese Ängste meistens selten, sondern sie treten durch Vermeidungsargumente wie der Strahlenbelastung des WLAN, der Angst vor dem Verkümmern der Handschrift oder dem hohen Ablenkungspotential an die Oberfläche (ich empfehle hier das Lesen des eBooks von Beat Döbeli Honegger, der eine schöne Liste dieser Argumente aufführt: LINK). Nach fast 20 Elternabenden an verschiedenen Schulen kenne ich sie alle und habe auf alle eine Antwort, manchmal keine Lösung, aber eine Antwort. Und ich denke, ich kann viel Wind aus den Segeln nehmen, was nicht zuletzt dadurch kommt, dass ich seit 7 Jahren in 1:1 Klassen arbeite. Was aber passiert mit diesen Kollegen, die Ihre Ängste nicht äußern mögen?

Reaktion Nummer 1 der Digital- Fraktion ist das Belächeln. Eine Reaktion, die leider mir auch hin und wieder rausrutscht, muss ich gestehen. Tatsächlich sind die Argumentationsketten aber auch manchmal urkomisch. 😉

Man nimmt allerdings die Sorgen und Ängste der Kollegen allzu oft nicht ernst und das ist fatal. Eine Idee, ein Projekt, Schulentwicklung brauchen eine breite Akzeptanz, um sich irgendwann nachhaltig durchzusetzen. Und genau darum geht es, um den Schulalltag, nicht um Leuchttürme, zeitlich gebundene Projekte und Hypes! Digitales Arbeiten muss normal sein, einfach Teil unseres Arbeitens. Wie das Buch dazu gehört, wie die Tafel nicht mehr angezweifelt wird  (naja, sieht man von den IWB- Hardlinern ab, die bereits vor zehn Jahren den Untergang der grünen Tafel propagierten).

Wie aber können Tablets, Notebooks, Raspberry Pis oder was auch immer Normalität werden, wenn selbst die, die sie wie selbstverständlich nutzen, einen Hype daraus machen? Worthülsen wie „das papierlose Abitur“, „modernste Schule Deutschlands“, „Deutschlands erstes irgendwas…“ uvm. gehen durch die Presse und sozialen Netzwerke. Lächelnde Kinder mit Tablets in der Hand, die vor lauter plötzlicher Begeisterung für die Schule kaum aufhören, lernen zu wollen. Ehrlich jetzt? Sind wir nicht weiter als das? Ich gebe es zu, vor 5 Jahren entstanden auch solche Fotos von mir/ uns und es schien okay. Was die Presse dann aus den Bildern und Artikeln machte, war es manchmal nicht, aber es ist auch 5 Jahre her. Ich ertrage diese Bilder nicht mehr, denn sie sind mittlerweile kontraproduktiv.

Hypes sind kontraproduktiv.

Kollegen, die skeptisch oder verweigernd sind, werden sicherlich nicht durch diese Vorgehensweise überzeugt. Nein, es bauen sich weitere Fronten auf und ich kann es zum Teil verstehen. Bei mir bauen sich diese Fronten auch auf, wenn ich Superlativen lese und man von einer Bildungsrevolution in die nächste stolpert.

Liebe Leute, entspannt euch mal. Digitales Arbeiten wird nur langsam durchsetzbar sein, ob es uns schmeckt oder nicht. Es wird nur durchsetzbar sein, wenn es mehr „Top- down“ Initiativen der Länder gibt und nicht nur die engagierten Lehrer. Es wird nur durchsetzbar sein, wenn die Lehrerausbildung sich verändert, wenn Gelder fließen und die Thematik ernsthaft politisch priorisiert wird. Es wird NICHT durch vermeintliche Leuchttürme und iPad- oder Microsoft- Schulen erreicht, die irgendwelche nicht übertragbaren Insellösungen propagieren und bei denen man den Eindruck gewinnt, Technik diene als Selbstzweck oder zur Vermarktung.  Es wird nicht erreicht, in dem unsicheren Kollegen das Gefühl vermittelt wird, es ginge nur digital. Es wird nicht erreicht, in dem man sich darüber lustig macht, wenn Kollegen Holzbücher einem Tablet vorziehen und es wird schon gar nicht erreicht, wenn man „analoge“ Kollegen ins Abseits drängt. Ich habe in dem Zusammenhang schon mehrfach mit Schulleitern gesprochen, die mir allen Ernstes weis machen wollten, dass sie nur Kollegen einstellen, die Kenntnisse am Tablet mitbrächten, ohne diese „bräuchte man sich gar nicht vorstellen“. Da bleibt nur Sprachlosigkeit!

Digitales Arbeiten in Schulen ist nur erfolgreich durchzusetzen, wenn eine gelungene Mischung aus analog und digital angestrebt und gelebt wird. Weder analog ist die Lösung, noch digital. Die Fähigkeit, als Lehrer und Schüler zu entscheiden, welche der beiden Wege in welcher Situation zum Erfolg führen, darum geht es doch, oder?

 

Comments ( 18 )

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  • Weickardt

    Bester Artikel zum Thema.
    Bei der Werbung geht es den Schulen aber nicht darum Werbung für Tablets zu machen sondern die Schule zu profilieren. Wenn man selber hochmodern arbeitet erscheint die Nachbarschule altbacken

    • Hofmann

      Die Profilierung stellt die Technik leider so sehr in den Hintergrund, dass es für Außenstehende abschreckend wirkt. Da mag ja evtl. ein gutes Konzept hinter stecken…

  • Toller Artikel, du sprichst mir aus der Seele. In Zeiten des indivudellen Lernens brauchen wir noch viel mehr das individuelle Lehren und keine Schwarz-Weiß-Malerei. Wie man zu gutem Unterricht kommt ist zweitrangig, wir haben jetzt nur eine Option mehr.
    Genau dieselbe Angst treibt mich um, die Kluft zwischen analog und digital wird größer und größer. Allerdings bin ich der Meinung, dass sich auch die “Digitalen” mal Luft verschaffen dürfen, normalerweise müssen die auch recht viel einstecken und aufgrund ihrer Kenntnisse Mehrarbeit leisten. Es geht nur miteinander und deswegen sollte man bei der Etablierung von digitalen Konzepten immer auf Freiwilligkeit bauen und erkennen, dass manche einen solchen Unterricht gar nicht nötig haben. Gleichzeitig sollte man auf beiden Seiten mit mehr Respekt agieren und das geht nur wie von Dir beschrieben: Ohne Lächeln und mit Wertschätzung zur gegenseitigen Befruchtung 🙂

    • Andreas

      Dank dir, Sebastian. Ich wollte in dem Beitrag gar nicht erst auf die teilweise kontraproduktiven Grabenkriege unter den technikaffinen Lehrern und Medienpädagogen eingehen, da ich mich sonst thematisch verloren hätte. In einer ruhigen Minute möchte ich da aber auch mal drüber schreiben 🙂

  • Solange die PH’s in einschlägigen Kursen lehren, was man mit dieser und jener Anwendung alles machen kann, ändert sich gar nichts, kommt das Digitale nicht in die Schule. Und solange die Schule meint, mit iPads wäre sie digitalisiert, ändert sich genauso wenig.
    Erst wenn die Schule merkt, dass sie auch ausserhalb ihrer selbst lehren kann – will heissen, SchülerInnen ihre Lernorte auch selbst bestimmen können – wird sie das Digitale notgedrungen einsetzen müssen. Ich nenne das “Lernen unterwegs” [http://rueedi.imnusshof.ch/lernenunterwegs/]

    • Andreas

      Beat, da gebe ich dir uneingeschränkt Recht. Es ist mehr als nur ein Tablet und vorallem ein Umdenken. In der Politik, der Ausbildung und den Lehrern. Die Kinder sind bereit, wir nicht.

  • Super Artikel, danke!
    Solange wir EdTech-affinen Lehrer zu missionarisch, zu absolut, zu begeistert auftreten, wecken wir Ängste – und machen uns angreifbar. Über Herausforderungen und Probleme müssen wir am besten informiert sein und darüber sprechen und Lösungen aufzeigen. Purer Enthusiasmus hilft da nicht, sondern baut Fronten auf.
    Ich glaube auch nicht, dass wir alle kritischen Kollegen erreichen können, und wie von dir geschrieben, muss sowas vielleicht auch öfters “Top-Down” laufen.
    Die großen Kritiker erreicht man damit vielleicht nicht, wichtiger ist aber der große Anteil von Kollegen, die privat ganz selbstverständlich digitale Medien nutzen und in der Schule dazu noch keinen Zugang gefunden haben.

  • Treffendes Posting. Wenn man schon länger auf dem Weg ist, kommt man an diesen Punkt. Machen wir trotzdem weiter – Schritt für Schritt (vielleicht dann auch mal einen weiteren Sprung!)

    @Beat, genau deinen Link wollte ich beim Lesen des Artikels auch in die Kommentare schreiben ….

    • Hofmann

      Klar machen wir weiter… Ich liebe die Herausforderung. 😉 Und ich bin überzeugt, dieser Sprung wird kommen, vielleicht stecken wir bereits drin?

  • Friedel Koch

    Moin Moin,

    ja, es ist schwierig, weil Schule ein Ozeandampfer ist und die neue Technik dazu eher wie Beiboote oder Erkundungsjollen sich verhält.

    Es hat noch lange nichts mit verlässlicher Lern-Struktur zu tun. Die Gesellschaft /der Staat reagiert noch sehr unbeholfen auf allen Ebenen des Bildungssystems.

    Die notwendige Vernetzung fehlt auf allen Ebenen, denn eine Ipadklasse ist nix, der Staat lässt die Schulen und Gemeinden mit qualitativer Wlan-Planung alleine, ausgebildet wird wie 19.50 usw., wer 50 whiteboards hat, muss zentral einkaufen und sich eher in einen 4 Jahresrhythmus bringen, Whiteboards zu leasen ist fass unbekannt und so entsprechen die Strukturen eher einer Hoppelpiste.
    Es ist halt so, ein bischen schwanger geht nicht. Entweder man will digital oder nicht. Und das geht nur mit einem neuen Management, was diese digitalen Puzzelsteine professionell denkt, wartet.
    Das ist so umfangreich, dass dies auch keine Person mal so eben nebenbei machen kann.

    Zudem stören auf dem Weg in die Digitalität ganz massiv die hierachischen Strukturen der Schule.
    Es geht nur am runden Tisch, wenn alle beteiligten Parteien auf die vernetzten Probleme schauen.

    Noch ist es dem Zufall überlassen, wie diese Gesamtstrucktur entsteht.

    Und dazwischen stehen ein oder mehrere Lehrer oder auch eine ganze Schule und müssen sich mit all diesen, eigentlich nicht Ihren Aufgaben abplagen.

    Denn es würde ja schon reichen, wenn sie ihr “digitales Referendariat” durchlaufen, was viel Kreativität erfordert.

    Und dann suchen alle nach den digitalen, interaktiven Lernwerke, die es so nicht gibt.

    Hinzu kommt noch die Struktur des “Aussiebens”, also eine Lernstruktur, die viel zu unflexibel ist, gepaart mit Zeit- und Stundenrastern, die zu einem aktiven, selbstgesteuerten Lernen, mit frontalen Inputs, gar nicht passt, weil die Räumlichkeiten so viel Individualität gar nicht vertragen.

    Oder wer beschäftigt sich gleichzeitig mit Lernlandschaften?

    Die erforderliche Öffnung der Raum- und Zeitstrukturen, wie aber auch der Prufungssituationen passt hinten und vorne nicht.

    Wer sich mal mit Reformpädagogik auseinandergesetzt hat, weiß, dass diese vielen Widerstände nicht neu sind. Das Stundenplanprogramm kann keine Doppelstd. ?

    “Wir” sind einfach zu langsam. Oder die Technik einfach zu schnell?

    Macht es Tesla/VW nicht vor? Wer den Trend verpennt, macht keinen Umsatz mehr und braucht sich dann auch nicht mehr um ein zeitgemäßes Bildungssystem zu kümmern.
    Die Stomlobby hat es auch schmerzlich erfahren.

    Von daher müsste es eine Bildungsrevolution sein, aber das verwaltungstechnische Denken ist beinahe stehen geblieben.

    Meine Tochter (25) antwortete mir auf die Frage, warum ihre Freunde Audionachrichten verschickten? Da gibt es weniger Missverständnisse, man hört den Tonfall der Stimme.

    10 Finger Schreibsystem? Ne, 2 Daumen Schnelltippsystem.

    Alleine daran zeigt sich, es ist ein drastischer Systemwechsel.

    Und was ist das Spaßige an der digitalen Entwicklung? Sie erfordert “humanistische” Werte neu ein, wenn Lernen gelingen soll: Disziplin (Selbstlernen/Logbuch) (Lärmvermeidung) Rücksichtnahme, … und vor allem Neugierde und Aktivität. und ein neues kritisches Denken, was analytisches Denken voraussetzt. Vernetzte Lesekompetens … ?

    Und es erfordert Mut, sich technisch für eine längere Zeit zu entscheiden, sich festzulegen.
    Sonst geht es auch ökonomisch nicht.

    BYOD ist auch so ein Wunschdenken. Es ist unsozial und bringt das digitale Projekt nur sehr oberflächlich weiter.

    Im Gegenteil, wir brauchen viel mehr Professionalisierung und das muss in die Tiefe gehen.

    Und wer hat jetzt noch an die digitale Vernetzung der Inklusion gedacht? Lernbüros mit tiefer emotionaler Begleitung und wirklicher Ruhe?

    Oder ist auch hier die Beliebigkeit auf dem Vormarsch?

    Wenn wir keine Restschulen wollen, müssen wir investieren.

    Die Privatinternate kennen Ihre Zielgruppe!

    Deshalb brauchen wir auch keine beschwichtigenden, angepassten Politikerreden, sondern

    gerade von den bildungspolitischen Sprechen der Parteien brauchen wir eine Schärfe in den Forderungen, die sich gewaschen hat.

    Aber überprüft doch mal deren aktuelles Facheissen. Meist leider erschreckend.

    Was bleibt?

    Mehr Vernetzung der Lehrer, mehr Fortbildung aus eigenem Antrieb, Danke Andreas Hofmann!

    eine viel stärkere politische Forderung.

    Sonst verbrennt unsere tägliche Arbeit und wir scheitern an den kleinen Fehlern.

    An einem Vormittag von der grünen zur schwarzen zur weißen Tafel, die man nicht beschreiben darf, bis zur Breitwandtafel, die analog und digital problemlos geht.

    Wir brauchen einen top Workflow und Schulmanager, die so was denken können.
    Die kosten dann deutlich mehr!

    Die Welt wartet nicht auf Deutschland, aber auf Produkte wie “Tesla” oder kostenloses Glasfaser,

    Packen wir es an. Deutlicher als bisher, in Euren Forderungen. Schule löst sich sonst bald auf und muss sich ja sowieso neu erfinden.

    LG Friedel

  • Sehr schöner Beitrag, möchte eine Sache ergänzen: Ich hatte heute das Vergnügen eine von bereits über 30 schulinternen Fbs in den letzten 3,5 Jahren an meiner Schule gemeinsam mit einer Kollegin zu halten, und wir sind zum ersten Mal aus der Veranstaltung gegangen mit dem Gefühl, dass jetzt die KollegInnen wirklich bereit für die großen Schritte oder größere Schritte sind. Warum ich das schreibe: Es zeigt genau die Notwendigkeit auf unaufgeregt und qualifiziert die Kolleginnnen und Kollegen abzuholen, mitzunehmen, zu bestärken und zu unterstützen. Für mehr Selbstvertrauen, mehr Mut und mehr Interesse am Ausprobieren, gleich ob bei Lernmethoden, Lernorten und und und… ein langer Weg.
    Um diese Arbeit zu leisten braucht es aber in der oben mehrfach treffend beschriebenen vielerorts unprofessionellen Rahmenlernlandschaft (gleich ob analog oder digital) Menschen die diese Umsetzung tragen, voranbringen wollen… und die Mühen auf sich nehmen, gegen die Windmühlen, welche von oftmals unreflektierter Pflege der Tradition (im Bildungsbereich bei uns in D gibt es vielerorts es so viele Dinge, die nicht hinterfragt nach dem Grund immer weiter gemacht werden) und sicher auch Angst angetrieben, anzugehen.
    Der beschriebene Top-Down-Ansatz könnte hier durchaus Arbeit und Konfliktpotential mindern.

  • OK – Wow, kann man nach all den Kommentaren (insbesondere von Friedel Koch) überhaupt noch etwas hier schreiben, das nicht bereits gesagt wurde?

    Ich probier`s mal: Erstmal Danke für den tollen Artikel! Er beschreibt einerseits den Zeitgeist sehr schön und hat eine angenehme Portion Abgeklärtheit in Bezug auf das Phänomen der digitalen Bildung. Hier in NRW ist die Politik gerade ganz heiß auf das Thema und da herrscht vielerorts genau das „Neusprech“, das hier kritisiert wird.

    Digitale Medien machen das Lernen nicht in erster Linie besser, sondern vor allem anders – so anders, dass das alte System Schule damit nicht umgehen kann, ohne sich grundlegend zu ändern. Und diese Änderungen betreffen nicht nur die Technik, sondern vor allem die Pädagogik. Und ja – ich bin auch überzeugt davon, dass Computer in die Schulen müssen, aber digitales Lernen bedeutet auch in vielerlei Hinsicht mehr Tempo, mehr Information, mehr Stress.

    Mein Vorschlag wäre daher, so etwas wie einen digitalen CO2-Ausgleich zu etablieren, d. h. mehr Medieneinsatz und gleichzeitig mehr Bewegungs- und Ruheangebote. Digitale Medien haben nämlich durchaus ihre Nebenwirkungen, die Schulen angehen müssen. Und das sage ich als jemand, der – wie die Autoren des Artikels – seit etlichen Jahren versucht, digitale Medien in die Schule zu bringen und alle diesbezüglichen Hypes nicht nur erlebt hat, sondern selbst Teil davon war.

    Wen`s interessiert – ich habe auf meinem Blog dazu zwei Artikel verfasst:

Be yourself, don`t do anything: https://medienistik.wordpress.com/2015/12/22/be-yourself-dont-do-anything/

    Gift oder Nebenwirkung? Die Film-Doku „Digitale Nebenwirkungen: https://medienistik.wordpress.com/2015/11/22/gift-oder-medikament-die-film-doku-digitale-nebenwirkungen/

  • Wenn es um die Abwehrhaltung von Kolleginnen und Kollegen geht, empfehle ich sehr die Lektüre von Sascha Lobos und Kathrin Passigs Buch “Internet – Sege oder Fluch” (2012) und da insbesondere die ersten Kapitel, in denen es um eben diese Abwehrhaltungen geht. “Das Buch scheint das geeignete Hilfsmittel, sich jenseits von reflexartigen Abwehrbewegungen oder kritikloser Inanspruchnahme mit dem Nutzen und den Schattenseiten des Internets auseinanderzusetzen.”, schreibt der Perlentaucher (https://www.perlentaucher.de/buch/sascha-lobo-kathrin-passig/internet.html) Die fundierte Darstellung macht den Umgang damit zumindest leichter.

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  • Hallo,

    Zum Ersten, es tut mir Leid, dass mein Deutsch nicht so gut ist. Ich bin Englischlehrer aus London und ich hoffe, dass es okay ist, mein Englisch Materialien mit Ihnen und ihr Leserschaft zu teilen. DIESE TECHNOLOGIE IST NICHT “DAS A UND O”. ES IST EIN KATALYSATOR, SPRACHEN ZU LERNEN!

    Wir bieten Virtual-Reality- Touren von Situationen und Orten in England. Sie koennen mit einem Computer nutzen oder mit einem Handy und Google Cardboard in der virtuellen Realität nutzen, um natürliche Aussprache und Vokabeln zu entwickeln. Fuer Studenten, Lehrer und Schulen sind sie kostenlos. Ich will keine Zahung dafuer, ich will nur, dass es von Kindern benutzt werden, ihr English mit dieser neuen Technologie zu verbessern.

    Wenn Sie Interesse fuer mehr von diesen Materialien haben, bitte melden Sie sich bei mir.

    Ich habe 4 Tours zu bieten, immer mit dem Google Cardboard kompatibel oder auch mit einem Computer. Es gibt 4 Virtual Reality Tours von englisch sprechenden Situationen.

    Bike shop
    Flower shop
    Homeopathy and alternative medicine shop
    Comic book shop

    Alle mit PDF und mp3 Materialien. Ich kann auch mit Ihnen arbeiten, Übungen zu produzieren basierend auf diesen Touren.

    Also warum kostenlos? Das tut mir Leid, dass viele Englisch in England oder Amerika usw nicht ueben koennen. Ich möchte diese Technologie nutzen, um die Englisch sprechenden Welt zu diesen Menschen zu nehmen. Je mehr Menschen nutzen diese Inhalte , desto mehr kann ich Partnerschaften aufbauen, um mehr Touren und ansprechender Inhalte machen.

    Hier ist eine Einführung in mir und dem Inhalt. Ich bin in Berlin im nächsten Monat , wenn jemand interessiert ist , mich zu treffen , sehen den Inhalt und diskutieren mehr , wie wir dies für Studenten anbieten können youtube.com/watch?v=bId1lAb51rg

    Vielen Dank – und wenn Lehrer Interesse habe bitte melden Sie sich bei mir!

    Michael
    http://vr.linguapractica.com

    PS – and I hope one day that I will have the chance to improve my German in virtual reality ?

  • Christian Heinz

    Was soll ich sagen – Andi … Respekt! Meine erste FB zu iPad hieß … “Beyond Apps” – und dieser Titel (damals gewählt, weil ich selbst erst drauf los gestolpert bin und nur 2-3 Apps kannte 🙂 ) gefällt mir immer noch fast am besten … denn .. die “early adopters” zu überzeugen ist mit Verlaub einfach – einige davon haben hier schon kommentiert 🙂 . Die “late adopters” oder gar die “Technikverweigerer” mitzunehmen, wird aber über den Erfolg an der Einzelschule entscheiden … was passiert jenseits des Einsatzes einer App? Wie Martin Fritze oben schreibt – das kann auch mal zig Lehrerfortbildungen lange dauern, kann neue Formen der Lehrerfortbildungen nötig machen (Teachmeets, Spotlights, … 🙂 ) … und ist mühsam und kleinschrittig. Die Lernumgebung muss sich verändern, ausgehend von der Frage wie man Bedingungen schaffen kann, unter denen zeitgemäßes Lernen gelingen kann. Wenn dann gefolgert wird, dass ein mobiles Endgerät, iPad oder was auch immer, dieses Gelingen von Lernen unterstützen kann, dann sind wir da, wo man hin muss. Ein tolles Video als Motivation für alle, die nicht so sehr meinen, das Leuchtturmprojekt der eigenen Schule ist das Maß der Dinge, sondern eine EINSTELLUNG und HALTUNG … findet ihr hier:

    – echt gut! Und den Typ, der es gemacht hat, kenn ich auch noch persönlich :); was a pleasure, Bill … (der liest das eh nie hier und erinnert sich auch nicht an den Lehrer aus Schwaben / Bayern 🙂 LG

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