(Digital) Storytelling: Geschichten erzählen als verloren gegangene Kompetenz

(Digital) Storytelling: Geschichten erzählen als verloren gegangene Kompetenz

Keine Angst, der hochtrabende Titel wird keinerlei wissenschaftliche Abhandlung beinhalten. Ich denke es aber so wie es im Titel steht. Das Geschichtenerzählen ist eine Kompetenz, die leider allzu oft ignoriert wird und die auch etwas unmodern zu werden scheint. Ich habe es für mich vor  Jahren entdeckt, geboren aus der Not heraus. Wenn Schüler Ihnen zu einem schweren Thema wie dem Nationalsozialismus (Haus)aufgaben abgeben, die aussehen als seien sie in der großen Pause unter der Treppe zusammengeschrieben und die sich lesen als würde sie dieses Thema zu keinerlei Empathie verleiten ist das frustrierend und tut weh. Hier griff ich vor vielen Jahren zu der Methode des Erzählens, wobei die SuS mithilfe einer Rollenkarte in eine Person der damaligen Zeit versetzt wurden und IHRE Geschichte eingebettet in den historischen Kontext erzählen mussten. Und das jede Woche. Die erstellten Geschichten wurden auf dem Schulserver abgelegt und ich hatte durch eine klar definierte Ordnerstruktur die Möglichkeit, alle SuS chronologisch anzuhören. Dazu gab ich Ihnen ebenfalls Feedback in Form einer Audiodatei. Ich konnte binnen weniger Wochen deutliche Unterschiede feststellen was die emphatische Auseinandersetzung mit dem Thema anging sowie was die ästhetische Umsetzung betraf. Die Kinder fingen an, ihre Stimme einzusetzen, Hintergrundmusik zu nutzen und Farben zu verwenden, um eine entsprechende Stimmung zu transportieren. Das digitale Geschichtenerzählen hat eben nicht nur die Vorteile des Speicherns und des Versenden, sondern auch die der Wahl zahlreicher Tools, die Stimme, Bild, Schrift und Musik miteinander verbinden. Ich möchte hier einige erprobte aufzählen bzw. zu bereits hier aufgeführten verlinken.

Der Toppfavorit: Adobe Spark Video

Wenn man den SuS die Wahl der Tools lässt, zeigt sich, dass Adobe Spark Video mit deutlicher Mehrzahl genutzt wird. Oben genanntes Beispiel entstand auch damit. Kinderleichte Bedienung trifft auf sehr anspruchsvolle Ergebnisse. Dabei ist sehr schön, dass Musik, Fotos und Icons lizenzfrei zur Verfügung gestellt werden. Kostenfrei, aber man muss sich anmelden. Ein Account allerdings reicht, alle SuS können parallel dann arbeiten (Datenschutz beachten!)

 

Der Klassiker: Book Creator (Artikel schon älter aber tendenziell passt es noch)

Ich kenne kaum eine Schule, die nicht den kostenpflichtigen Book Creator nutzt und er hängt einem nach sechs Jahren zum Halse raus, wenn man Schulungen gibt. Allerdings muss ich sagen, dass er berechtigterweise immer noch Platzhirsch ist und die Möglichkeiten, Schrift, Handschrift, Bilder, Videos und selbsterstellte Sprachdateien einzufügen und dabei keine 5 min Einarbeitungszeit zu benötigen, ist einmalig.  Mit dem Book Creator kann man wunderschöne Bücher, Geschichten, Gedichte, etc. erstellen und diese optisch sehr ansprechend gestalten.

 

Immer dabei: iMovie

Ja genau, iMovie, Apples vorinstalliertes Videobearbeitungsprogramm kann hier einiges. Man kann Fotos und Videos zusammenstellen, Text auf das Bild legen, Musik oder vorbereitete Texte einfügen oder ggf. einen Film oder eine Passage eines Films nachvertonen. iMovie ist besonders oft das Tool meiner Wahl, weil es vorinstalliert ist.

 

Leider tot: Tellagami

Seit iOS 11 ist Tellagami leider tot. Ich liebte es und hoffe, die schön animierten Avatare werden bald wieder im Appstore erhältlich sein.

 

Ein bißchen Spiel darf sein: Toontastic

Vorgegebene Erzählstrukturen helfen den Kindern, Kurzgeschichten zu erstellen. Durch das sehr spielerische und kreative Gestalten der Personen und des Settings muss hier auf eine zeitliche Vorgabe geachtet werden, damit sie sich nicht im Detail verlieren. Erfahrungsgemäß ist Toontastic schnell überfordernd, da Stories im Vorfeld (wie ein echter Film eben) geplant und vorbereitet werden müssen. Dazu bewegen sich die Figuren noch durch das Setting. Wirkt kindlich, ist aber sehr anspruchsvoll.

 

Einfach und knackig: Tell about this

Zu verschiedenen Kategorien werden Bilder angeboten, die mit einer kurzen (englischen) Frage unterlegt sind. Diese Fragen sind meistens sehr offen gestellt und bieten die Möglichkeit, frei zu sprechen, zu fantasieren, Geschichten zu erfinden oder auch eine Bildbeschreibung durchzuführen. Wem die Bilder oder die Fragen nicht zusagen, kann in kurzer Zeit eigene Gesprächsanlässe kreieren: Foto machen, Frage drunter. Fertig. Die Kinder sprechen Ihre Texte in das iPad und dort werden die Dateien dann in der Camera Roll gespeichert. Die App ist so simpel konstruiert, dass ich mich ärgere, auf diese Idee nicht selbst gekommen zu sein. Anwendbar zwischen Klasse 1 und Klasse 13.

 

Moderner Krams: Apple Clips und Adobe Premiere Clip 

Ich bin ehrlich, ich finde zu beiden außer beim Rumspielen keinen Zugang und nutze es nicht im Unterricht. Tatsächlich nutzen meine SuS es auch selten. Es gibt tolle Features und die Einfachheit beider Apps ist großartig. Das Umwandeln von gesprochenem Text in geschriebenen bei Apple Clips ist schon klasse und man kann nette kleine Filmchen erstellen. Haben von der  Anwendung und der ad hoc Nutzung etwas von Snapchat, aber auch da bin ich raus. Ich kenne aber viele KuK, die es gerne einsetzen und es ist reine Geschmacksache. Einfach mal ausprobieren. Vor Jahren waren wir alle froh über den Windows Movie Maker, der ähnliche Ergebnisse erzielte, heute machst du es mit diesen Tools schneller und besser.

 

Ein Klassiker mit unendlich Potential: StopMotion

Die Technik der Stopmotion- Filme ist bereits alt. Seit dem Siegeszug der Smartphones und Tablets aber sind sie ohne viel Aufwand und Equipment realisierbar und bieten unglaubliches didaktisches Potential. Szenen nachspielen, Geschichten erfinden, historische Momente nachstellen… ob als Legetechnik, mit Knete, echten Personen, Papercut oder mit Lego Figuren, es spielt keine Rolle. Alles ist machbar. Neulich fragte mich eine Kollegin in einem Workshop, warum wir nicht einfach filmen und auf die vielen Hundert Fotos verzichten. Als sie dann sah, dass man mit Einzelfotos zum Zauberer wird und Dinge machen kann, die mit einem Live- Film nicht machbar wären oder Nachbearbeitung bedingten, war sie überzeugt. Ich liebe diese Technik, weil sie Akribie erfordert. Ohne Storyboard, Planung und kollaborative Absprachen gelingt kein Film. Lieblings- Apps: siehe Artikel 

 

Grundschulgeeignet: Draw and Tell 

Draw and Tell ermöglicht es, wie auf einer digitalen Tafel, Bilder zu malen, Fotos zu anmontieren und mit zahlreichen Schreib- und Maltools zu verändern. Das alleine würde meine Aufmerksamkeit nicht auf sich richten, wäre da nicht die Aufnahmefunktion während des Mal- Schreibvorgangs. Schüler können einfache Dinge erklären, zeichnen, sprechen und annontieren. Draw and Tell ist wohl eher für den Primarbereich aber dafür wirklich toll, weil es der Kreativität alle Möglichkeiten lässt.

Die Liste ließe sich erweitern aber ich brauche nicht mehr Anwendungen. Letztlich hat sich mein Pool an Apps in den letzten Jahren kaum verändert, eher ist er kleiner geworden. Geben Sie dem Storytelling nicht nur im (Fremd-)Sprachunterricht eine Chance. Es lohnt sich.

 

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