Finanzierung der 1:1 Lösung/ iPad Klassen

Finanzierung der 1:1 Lösung/ iPad Klassen

Die Notwendigkeit, den Kindern ein mobiles Endgerät in ihren Lernalltag zur Hand zu geben, welches individualisierbar ist, welches mit nach Hause genommen werden kann, welches IMMER zur Verfügung steht und welches nach kurzer Zeit als völlig selbstverständliches Lernwerkzeug genutzt und angesehen wird, scheitert meist an der Frage der Finanzierung. Im Jahre 2012 meines Erachtens beinahe schon fahrlässig. In Anbetracht der Tatsache, dass der sündhaft teure Taschenrechner an Gymnasien nach wie vor für Streit sorgt und mancherorts mit kleinen Translator Geräten im 90er Stil im Englischunterricht gearbeitet wird, sollte doch langsam ein Umdenken einsetzen. Ein Umdenken, das den Kindern dabei helfen wird, im Berufsleben Fuß zu fassen und dass uns Lehrern dabei helfen wird zu erkennen, dass die Kinder lange einem kulturellen Wandel des Lernens unterliegen, dem wir uns nicht verschließen können. Zurück zur Finanzierung!

Es gibt drei Ansätze, die Schulen gehen können, wenn sie mobiles Lernen einsetzen möchten:

1. Sponsoring, Schul,- Schulträgerfinanzierung

Die Schule, der Schulträger oder Sponsoren kaufen die Geräte und verleihen sie an die Schüler. Dass dies nicht an jeder Schule und jedem Schülerklientel erfolgreich gelingen wird, liegt auf der Hand. Zumal die Administration, Garantie- und Schadensabwicklung dann auch wieder in den Händen der Schule liegen. Finanzierung und evtl. Versicherungsleistung ohnehin. Die Ausleihe kann eine Dauerausleihe über mehrere Jahre sein oder eine stundenbezogene, das heißt, die Geräte werden von den Kollegen gebucht und in ihrem Unterricht eingesetzt. Dies allerdings entspricht nicht der 1:1 Wunschlösung und ist administrativ auch sicherlich nicht von jeder Schule leistbar. Es setzt wieder einen oder mehrere engagierte Kollegen voraus, die sich um die Geräte kümmern. Bei der Dauerausleihe kann dies alles vertraglich geregelt sein, zum Teil auch an die Schüler/ Eltern übertragen werden, setzt aber natürlich einen liquiden Geldgeber voraus, den es nur vereinzelt gibt.

2. BYOD

Die Hoffnung vieler Medienpädagogen liegt auf einem Ansatz, der kurz BYOD genannt wird ( Bring your own device) und darauf abzielt, dass jeder Schüler sein eigenes mobiles Gerät zur Schule mitbringen und dieses an den Schulserver anschießen kann. Bislang ist mir keine Schule bekannt, die dies konsequent praktiziert und ich sehe darin große Schwierigkeiten administrativer, sicherheitstechnischer und sozialer Art. Erste Schulen verfolgen diesen spannenden Ansatz und ich werde dies interessiert verfolgen. Leider ist auch dies nur bedingt als 1:1 Lösung zu bezeichnen, da wir nicht voraussetzen können, dass alle Kinder über ein internetfähiges Endgerät verfügen. Theoretisch ein netter Ansatz, praktisch in meinen Augen schwer realisierbar.

3. Elternfinanzierung

Unser Weg, in den Klassen eine realistische 1:1 Situation zu schaffen, geht über die Elternfinanzierung. Dieses seit Jahren in mehreren Hundert niedersächsischen Schulen praktizierte Prinzip bringt viele Vorteile mit sich. Die Eltern finanzieren bzw. leasen die Geräte über eine bestimmte Dauer (meist drei Jahre) mit einer über diesen Zeitraum kompletten Garantieleistung und einer Versicherung, die bei Selbstverschulden, Stromschäden, Wasserschäden und sogar bei Diebstahl eintritt. Leider musste die Ur- Idee, auf eine Selbstbeteiligung zu verzichten aus wirtschaftlichen Gründen verworfen werden. Es wurden schlichtweg zu viele Geräte ‘gestohlen’ und es erwuchs ein leider bekanntes Verständnis, dass “Dinge, die nichts kosten, leider auch nichts Wert sind”. Aus dreijähriger Erfahrung kann ich bestätigen, dass eine Selbstbeteiligung (meistens 50 Euro) für Eltern und besonders etwas unvorsichtige Schüler durchaus pädagogische Wirkung haben kann. 😉 Die komplette Abwicklung in einem Schadensfall liegt in den Händen der Familien, im Idealfall ( leider haben wir den noch nicht erreicht) haben Schulen damit dann gar nichts zu tun. Nun kommt schnell die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit auf. “Die Eltern meiner Schüler können sich das nicht leisten”, höre ich regelmäßig. Meine Erfahrung auf nunmehr 8 Elternabenden, an denen ich den Eltern dieses Projekt vorstellte, zeigt, dass ALLE Eltern mit Ausnahme einer Mutter, deren Sohn das Schuljahr ohnehin nicht mehr schaffen konnte, zugestimmt haben. Die Eltern erkennen die Notwendigkeit und sehen, dass viele Dinge, die sie selbst oft nicht mehr leisten können, so von der Schule aufgefangen werden können und Ihnen so Ängste bezüglich der Zockerei, sozialen Netzwerke, u.a. genommen werden können. Sie merken, dass Ihnen Hilfe angeboten wird. Um mal Zahlen sprechen zu lassen: Das iPad kostet mit einer solchen Finanzierung/ Versicherung/ Garantie ca. 20 Euro im Monat gerechnet auf drei Jahre. In unseren Notebookklassen zahlen die Eltern monatlich 30 Euro. 20 Euro entsprechen einem Euro pro Schultag! An dieser Stelle meldet sich jedesmal mindestens eine Person, die sagt: “Bei Media Markt gibt es das iPad versichert derzeit für 379 Euro! Warum sollte ich denn über 200 Euro mehr bezahlen?” Die Antwort ist ganz einfach: Schauen sie sich die Versicherungsbedingungen vom Händler an und sagen Sie, ob dieser auch die Kosten übernimmt, wenn Ihrem Sohn das Gerät aus Versehen oder aus Fahrlässigkeit kaputt geht! Ich denke, Nein. Stop, ich weiß Nein! Ein absolut stechendes Argument ferner ist der Sozialfond, der in dem Finanzierungspaket enthalten ist. Das heißt, es werden ein bestimmter Anteil finanziell benachteiligter Eltern unterstützt, und zwar mit 50 % des monatlichen Abtrags. Dies geschieht gänzlich ohne SchuFa Abfrage auf Vertrauensbasis zwischen Eltern und Lehrern.

Wir arbeiten seit Jahren zufrieden mit der Firma Mobiles Lernen gGmbH zusammen, die eben dieses Komplettpaket für Schulen anbietet. Die Konkurrenz bietet ähnliche Zahlen, leider keinen Sozialfond. Und DER sichert die Tatsache, dass niemand ausgeschlossen wird.

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