Mein erstes Barcamp als (Mit)organisator: Ein Fazit.

Mein erstes Barcamp als (Mit)organisator: Ein Fazit.

Nachdem ich bereits Jahre lang Fortbildungsevents in ganz Deutschland und der Schweiz organisiere  wollte ich mich mit einem Kollegiumsteam meiner Schule auf den Weg machen, etwas in dieser Region Neues anzubieten, ein Barcamp. Für mich ist es ein Flashback gewesen, da an dieser meiner Schule  damals der erste Vorläufer von mobile.schule startete bis es zu groß für die Schule wurde. Im Vorfeld holte ich Informationen ein, erinnerte mich an meine spärlichen Barcamp- Erfahrungen und telefonierte mit erfahrenen Barcampern. Ich piekste auch bei Twitter etwas, um zu verstehen, was hinter dem Hype steckte und wo Vor- und Nachteile lagen. Wie Social Media eben so tickt wurde dies schnell als Konkurrenzdenken aufgefasst und mir wurde vorgeworfen, ich würde Barcamps schlecht reden, weil viele Events, die ich plane, eher klassischer Natur sind. Dem war nicht so, denn ich entwickelte einfach aufrichtiges Interesse und sah die Vorteile noch nicht. In einer anschließenden Perlen von den Säuen- Folge mit Solveig Schwarz und Philippe Wampfler als Gast, der ebenfalls kritische Worte äußerte, diskutierten wir das Thema aus und ich nahm viele gute und sich mir erschließende Ideen mit. Ja, vielleicht wurde das Battle sogar von den beiden Barcampern gewonnen, da sie sehr gute Argumente vorbrachten. Das gebe ich aber nur leise zu. 😉

Im Laufe der Wochen empfand ich die Planung eines Barcamps immer als etwas, wie soll ich sagen, das man so nebenbei machen kann. Die wahre Arbeit hatte unser Hausmeister, der für Auf- und Abbau, Grill, Bühne etc. zuständig war. Den Rest verteilten wir auf ein paar Köpfe und jeder machte ein bisschen etwas (Raumplanung, Ausschilderung Catering…). Mir fehlte im Vorlauf die Struktur, ich brauche es genauer geplant, dachte ich. Mich machte das nervös, dass alles erst vor Ort entschieden würde. Eigentlich hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil es quasi so nebenbei erledigt werden konnte. Am Tag des Barcamps, dem 07.05., war ich dann amtlich aufgeregt, da ich immer dachte, das könne ja nicht alles sein… aber doch, das war es. Die Sessions wurden eingerecht, ein Plan erstellt, die Räume verteilt. Zack. Was für eine großartige entschlackte und entspannte Sache das war! Das nicht so straffe Korsett ließ Raum für eine lockere Atmosphäre (was nicht zuletzt durch das Open Air- Feeling unterstützt wurde) und es herrschte eine schöne Grundstimmung.

Die Gäste  (ich kann den Begriff Teilgeber nicht über die Tastatur bringen) wussten trotz vorheriger Information weitgehend nicht, was ein Barcamp ist und wie es ablaufen würde. Das war ersichtlich als ich noch einmal die Regeln vorstellte und noch deutlicher, als die Sessionvorschläge eingereicht werden sollten. Es herrschte neugierige Zurückhaltung und man sah deutlich, dass man trotz mehrfachem Hinweis, dass es nicht um Expertenwissen und Perfektion ginge, darauf hoffte, dass die Anderen etwas anbieten. Ob es daran lag, dass die Erwartungshaltung schlichtweg dahinging, dass man konsumieren wollte oder ob es Zurückhaltung war, weiss ich nicht. Ich weiss nur eins, ein Barcamp braucht informierte Teilnehmer, damit die sich im Vorfeld gedanklich darauf einstellen können. Das würde sicherlich auch noch bessere Impulse und Inhalte bringen. Dennoch füllte sich der Sessionplan recht gut, ohne vorher Absprachen getroffen zu haben. Was mir aber schnell deutlich wurde, war, dass einige Angebote sehr darauf aus waren, eben dieses Expertenwissen zu bekommen. Weitgereiste KollegInnen boten Sessions mit einer Frage an, die letztlich nur 2-3 Anwesende beantworten konnten. Da war es wieder das Expertentum. Somit sah ich mich dann in der Verpflichtung, in all diese Sessions zu gehen, um zu unterstützen, was durch ein “ah, da ist er ja” auch quittiert wurde. Somit ist die Barcamp- Idee mit Neulingen eher nicht so leicht, wie mir vormals gesagt wurde.

In den Sessions selbst fanden sehr spannende Gespräche statt, entwickelte sich ein reger und ungezwungener Austausch. Die Atmosphäre entscheide über das Gelingen, sagte mir Dejan vorher, und er hat Recht. Strahlender Sonnenschein, nettes Ambiente und ein Bierchen lockern die Stimmung sehr und erreichen das, um dass es eigentlich geht: Vernetzung, Austausch und das gegenseitige voneinander Lernen.

Ich habe immer klassische Workshopformate dem Barcamp gegenübergestellt und korrigiere meine Meinung: es ist eine Ergänzung. Das Format für sich hat Stärken und Schwächen. Genau wie andere Formate. Ich versuche seit langem, bei Workshopformaten auch andere Elemente mit einzubringen und den Vernetzungscharakter in den Vordergrund zu stellen. Ein Barcamp hat andere Gewichtungen und das ist mir bewusst geworden. Ein Barcamp setzt aber einige Dinge bei den Gästen voraus, was natürlich aber die Konsumhaltung aufbricht, die ich oft vorfinde und die von Erwachsenen so gerne bei den SuS kritisiert wird. Problematisch finde ich nach wie vor die Tiefe einiger Sessions. Sessions, die ganz ohne “Experten” oder “alten Hasen” zu Chit- Chats werden  und thematisch schnell abweichen. Vielleicht ist das gar nicht schlecht, kommt aber mit meinem Verständnis noch nicht ganz klar.

Mein Fazit: Schräger Scheiss ist das. Es hat riesig Spaß gemacht und es gab ein tolles Feedback. Es ist recht überschaubar in der Planung, was es realistisch macht für eine Schule, sowas anzubieten oder in einem Kollegium durchzuführen. Die Durchmischung der Gäste aus Wirtschaft, Schule und Verwaltung ist großartig und durch die Vorstellungsrunde auch allen deutlich geworden. Die Sessions waren spannend, die Gespräche anregend und motivierend. Generell fehlt mir hier und da die Tiefe und wie Philippe sagt, es ist kaum skalierbar bei größeren Events. Ein tolles Format, das aber nie klassische Formate ersetzen wird (und diesen Anspruch vielleicht auch gar nicht hat).

Ich bin wieder bereit, ein solches Barcamp durchzuführen und plane nun erstmal drei, vier Tagungen. 🙂

Die NWZ hat ihren Artikel über unser Barcamp noch am selben Tag  veröffentlicht. HIER.

 

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