Präsentationen mal anders … oder die Angst vor den springenden Buchstaben

Präsentationen mal anders … oder die Angst vor den springenden Buchstaben

Mein gesamtes Computerleben (also seit dem Studium) begleitet mich ein Phänomen, das sich wie ein Hamster im Rad dreht und dreht, wiederholt und wiederholt. Die Rede sind digitale Präsentationen, die begleitet werden von blechernem Applaus, Bombensounds, roten Vorhängen oder Silvester Motiven und obendrein hereinpurzelden Buchstaben, die die ohnehin langweilige Präsentation endlos erscheinen lassen. Ich gebe es zu: Ich kann es nicht mehr ertragen! Ich kann Powerpoint nicht mehr sehen, der Anteil an ansprechenden Präsentationen ist verschwindend gering, auch im schulischen Alltag. Natürlich sind Präsentationstools nicht verantwortlich für schlechte Inhalte, das ist sicherlich jedem klar, aber schlechte Inhalte gepaart mit einer schlechten Präsentation nagen nach einiger Zeit schon sehr an mir. Seit knapp zwei Jahren suche ich immer wieder nach Alternativen auf dem Markt und stelle zufrieden und aufatmend fest, dass es immer mehr Alternativen gibt, die 1. erfrischend neu 2. erfrischend anders 3.günstiger (!) und 4. oftmals Plattform unabhängig sind. Ein paar von mir getestete und auch im Unterricht eingesetzte möchte ich hier vorstellen:

1. Prezi

Der helle Stern am Himmel seit 2010/2011 und binnen kurzer Zeit schwer gehypt. Das Heranzoomen und die wilden Kamerafahrten müssen (wie immer) erlernt werden und laden leider zur Totalüberforderung des Publikums ein. Vorsichtig angewendet ist Prezi toll, experimentell angewendet ein Horrortrip. Prezi bedarf einer Anmeldung, im Bildungsbereich ist es allerdings kostenfrei. Erstellte Präsentationen lassen sich downloaden und auch lokal gespeichert abspielen, was ein entscheidendes Kriterium ist. Generell speichern sich erstellte Prezis online im eigenen Konto. Heruntergeladene Prezis lassen sich gleichwohl auf Mac und Windows abspielen. Die iPad App wurde durch die letzten Updates mehr und mehr vom Viewer zur App, mit der man Prezis auch bearbeiten kann. Hier muss ich leider sagen, dass ich dies unglücklich und absolut noch nicht ausgereift finde. Um kurze Änderungen vorzunehmen okay, Erstellen will ich auf dem iPad damit nichts. Die App ist kostenlos. Ich mag Prezi, egal ob einige bereits dabei sind, es schon wieder zu “enthypen”.

2. PowToon

Powtoon rockt! Ich liebe es und meine Schüler auch. Comicartige Präsentationen, liebevolle Templates, animierte Figuren, Sound…alles möglich. Im Aufbau wie die bekannten Präsentationsprogramme, in der Handhabung erfrischend anders und einfach animierend. Erstellt werden am Ende Videos. Man kann es kaum beschreiben, schauen Sie sich einfach auf der Homepage einige Beispiele an. Powtoon ist mit beschränktem Umfang kostenfrei, was die Einschränkungen mit sich bringt, dass die Videos nicht HD Qualität haben und zeitlich begrenzt sind. Ich habe bereits einige Filme erstellt und mir reicht schulisch die kostenfreie Version, obwohl es mir doch in den Fingern juckt, die Vollversion zu bekommen. Wermutstropfen: Flash! Unser iPad ist also raus aus der Nummer… 🙁

3. Haiku Deck

In einem anderen Artikel habe ich Haiku Deck ausführlicher beschrieben. Es ist im Aufbau ähnlich den bekannten Alternativen, nur erfreulich abgespeckt. Es ist eine reine iPad App und wird Freunde finden. Besonders im schulischen Alltag, in dem Präsentationen oft genug leider durch den experimentellen Spieltrieb der Kinder verlangsamt werden, bietet Haiku Deck hierfür nicht viel Raum. Das Wesentliche wird geboten, Zeit für Inhalte eingeräumt, ohne die Fülle an oftmals überflüssigen Effekten zu bieten. Haiku Deck erstellt eine Art Slideshow mit sehr ansprechenden Templates.

4. Google Drive

Die wohl am häufigsten genutzte Alternative, die gänzlich webbasiert ist, bietet Google. Killerargument für Google Docs ist die einzigartige Sharing Funktion, das heisst mehrere Nutzer arbeiten zeitgleich am selben Dokument. Funktioniert mit Schülern hervorragend. Abstriche muss man im Nutzungsumfang machen, es handelt sich um eine abgespeckte Version, die auf wenige Templates und Hintergründe setzt und leider das Importieren von Audio Dateien unterbindet. Videos (naja, youtube) lassen sich einbauen. Google legt auch nicht viel wert auf Effekte, die fertige Präsentation ist letztlich eine Aneinanderreihung von Folien. Google Docs hat andere Schwerpunkte und kann das, was es kann, ausgezeichnet. Auch hier: Inhalte und Kooperation vor Schicki Micki. Auf dem iPad ist die Google Drive App für Präsentationen leider nur dafür nutzbar abzuspielen, nicht zu bearbeiten. Schade… DAS wäre noch was. Jeder, der sich für kooperatives und kollaboratives Lernen interessiert, kommt um Google nicht herum.

5. Keynote

Viele Worte zu Keynote zu verlieren, wäre Zeitverschwendung, da Sie am besten auf youtube Tutorials und anderen Kanälen einen besseren Eindruck gewinnen könnten. Ich habe mit Keynote auf dem iPad angefangen und bin sehr positiv überrascht über das doch umfangreiche, aber übersichtliche Angebot an Möglichkeiten. Bislang habe ich alle Präsentationen mühelos auf dem iPad erstellen können, ohne auf einen Mac zurückgreifen zu müssen. Schwierig wird es, wenn man mehrere Ebene übereinander schichtet. Da kommt das Tablet nicht nur wegen des begrenzten Platzangebotes an seine Grenzen. Natürlich hat auch Keynote einige Klassiker, deren eingefleischte Mac Nutzer genauso überdrüssig sind wie die meisten Powerpoint Nutzer den tanzenden Buchstaben. Ich empfinde es als Neuling (na ja, seit nunmehr 18 Monaten arbeite ich mit dem iPad) dennoch erfrischend, neue Designs, wenig Schnörkel und eine intuitive Bedienbarkeit zu erleben, mit denen die Kinder schnell und inhaltsorientiert Ergebnisse zusammentragen und vorstellen können. Dazu sind die Import- und Exportmöglichkeiten über die WebDav Anbindung bei vorhandenem Schulserver eine ideale Kombination. Betrachtet man dazu den Preis von etwas über 8 Euro (in der Volumenlizenz knapp über 4 Euro) pro Nutzer, so ist bislang keine ernsthafte Konkurrenz auf dem Markt.

6. 9Slides

So ein wenig fasziniert bin ich von dem ganzen Gerede des “flipped classrooms” und sehe mehr und mehr großartige Apps auf den Markt kommen. Die erste, die mir über den Weg lief, war 9Slides. Der Funktionsumfang ist übersichtlich (wenn nicht sogar noch etwas zu eingeschränkt). Man importiert über diverse Cloudlösungen PDF Dateien, die dann auf der rechten Seite des Bildschirms erscheinen und fügt dann mit der Videokamera des iPad ein Video hinzu (Front- oder Rearkamera). 9Slides erlaubt es, Unterricht darzustellen, obwohl man nicht vor Ort ist (ein Traum !!! :)) bzw. können den Schülern so vorbereitete Inhalte als Video hochgeladen und zur Verfügung gestellt werden. Tolle Ansätze, die ich leider noch nicht erprobt habe, die aber selbst an Unis bereits für viel Aufsehen gesorgt haben. Ich entwickle mit einem WPK zusammen gerade meine erste Unterrichtsidee mit 9Slides. Bislang ist der einzige Nachteil die Fokussierung auf PDF, andere Dateitypen erkennt 9Slides noch nicht.

Mir ist bewusst, dass es weitere spannende Möglichkeiten gibt, die ich hier nicht aufliste bzw. noch gar nicht kenne. Fakt ist aber, dass es unheimlich vielfältige Ansätze gibt, Unterricht zu verändern, alte Zöpfe abzuschneiden und den Kindern digitale Tools an die Hand zu geben, die dabei helfen, Sachverhalte besser zu verstehen und im zweiten Schritt mit anderen zu teilen bzw. diese vorzustellen.

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