Tablet Days 2017/ Rorschach CH: meine Nachlese als Organisator

Tablet Days 2017/ Rorschach CH: meine Nachlese als Organisator

Es war eine Schnapsidee als Thomas Rittmann mich Ende 2016 fragte, ob wir nicht zusammen einen Event planen wollten. Wir trieben beide noch auf der Euphoriewelle von mobile.schule17 und wie konnte es da ein nein geben? Die Idee wuchs, Ort und Zeit wurden fix gemacht und langsam wurden erste Ideen gesponnen. Die Grundidee: wie bekommt man es hin, dass erfahrene Schulen ein Angebot erhalten würden, das auch Anfängern nicht zu abgehoben erschien? Dies konnte somit nur mit einigen der erfahrensten Trainern und Referenten gelingen, die Europa zu bieten hat. Wir suchten Twitter ab, durchforsteten unsere eigenen Netzwerke und schrieben Visionäre anderer Ländern an, die wir selbst gar nicht persönlich kannten. Alle sagten ad hoc zu und so kam es zu dem spannenden Line Up mit u.a. Mark Anderson, Kurt Klynen oder auch Joe Dale. Uns war inhaltlich klar, dass wir etwas anderes wollten. Wir wollten mit Leuten arbeiten, die mit Herzblut bei der Sache waren und ihre Workshops fernab des Standards akribisch ausarbeiten würden… für die Sache und einen tollen Event. In einer Slackgruppe erreichten wir auch bald die Meldung, unser Limit von 10.000 Messages war erreicht. So viel zur Kommunikation und Kollaboration. Jeder brachte sich ein, jeder hatte das Ziel vor Augen, etwas Tolles zu kreieren. Hierbei stellte sich auch heraus, dass wir mit Marcel Kaufmann einen dritten Organisatoren an Bord holen mussten, der voller Herzblut viele gute Ideen beisteuerte und praktische Arbeit (u.a. mit seiner Frau bei der Anmeldung) übernahm.

Nun ist neben viel Idealismus natürlich gerade in der Schweiz auch eines notwendig: viel Geld. Junge, Junge, alleine die Begrüßungs- Aperol (zwei an der Zahl) hauten mit 26 Franken rein. Naja, wir wollten für alle ein wunderschönes Ambiente, das die familiäre Stimmung trägt und ein genauso wunderschönes Tagungszentrum (Würth Haus Rorschach). Mit Blick auf den Bodensee, hell, sauber, einladend, technisch top ausgestattet, unserer Idee würdig. Eintrittspreise sind in den umliegenden Ländern seit vielen Jahren Standard und auch wir können bei den Tabletdays nicht ohne diese auskommen.

Thomas und ich teilten uns auf und so koordinierte ich die Workshops, er die Planung vor Ort. Wenig überraschend also, dass ich hyper nervös war, als ich in der Schweiz ankam und erstmals das sah, was ich vorher im Kopf durchspielte. Aber auch hier half die Zusammenarbeit mit professionellen Referenten, die kleine Pannen ohne große Show zu überspielen oder oft auch zu verheimlichen wussten. Ein großes Lob und einen noch größeren Dank an euch! An dieser Stelle möchte ich gerne das viele Feedback zusammenfassen und die beiden für mich wichtigsten und positivsten Aussagen nennen.

1. Liebevolle und methodisch, didaktisch super vorbereitete Workshops.

2. Das gute Miteinander der Referenten und des Orgateams ingesamt, das sich offensichtlich stark auf die Teilnehmer und Gäste übertrug.

Nicht zuletzt sei an dieser Stelle genannt, dass auch die Firmenvertreter diesen Spirit aufnahmen und Befindlichkeiten für sich behielten, kleine Frösche schluckten und mit ihrer guten Laune dafür sorgten, dass die Stimmung auch zwischen den Workshops ausgelassen und fröhlich war. Besonders schön empfand ich die vielen Sprachen und Dialekte, die der Vernetzung in keiner Weise im Wege standen. Dies zeigte sich auch und besonders bei der Abschlussrunde, unserem Chaosinterview, das von sehr vielen Teilnehmer selbst am späten Samstagnachmittag noch aufgesucht wurde. Das war für uns übrigens eine sehr schöne und respekterweisende Geste.

Vernetzung, Input, Ideen und persönliche Kontakte standen im Mittelpunkt der zwei Tage. Plattformdiskussionen, ideologische Grabenkämpfe sowie Eitelkeiten hatten zu keiner Zeit Platz. Wo ich war und schaute, begegnete mir ein Lächeln. Die Workshops selbst wurden sehr gut angenommen und es wurde sehr produktorientiert gearbeitet. Dabei wurden Filme erstellt, Schnitzeljagden führten die Teilnehmer mit dem Paddelboot auf den Bodensee, Forscherlabore wurden aufgebaut. Es war eine Freude, in die Workshops zu gehen und zuzuschauen. Auch das in Gauting bereits erprobte Format “One Best Thing”, in denen 180 sekündige Vorträge mit unterschiedlichen Inhalten gehalten wurden, kam sehr gut an. Best Practice aus verschiedenen Ländern – spannende Sache. Als Highlights sicherlich muss man die motivierenden Keynotes von Kurt Söser, Mark Anderson und Kurt Klynen bezeichnen, die den Teilnehmern Lust auf mehr machten, die Motivation für die Workshops hoben und wirklich Akzente setzten. Die drei erfahrenen Hasen hatten hier schnell das große Publikum im Griff.

Für mich waren die Tabletdays vor allem eins: eine große Familie von Visionären und Pragmatikern, die in ihren Ländern engagiert versuchen, Unterricht zu verändern. Dass dieses heutzutage nur noch durch Vernetzung machbar ist und durch einen Blick über den Tellerrand haben alle Akteure erkannt. Ich habe aber auch noch etwas gelernt, und zwar, dass Bildung einen höheren Stellenwert haben sollte und dass auch Lehrer Wertigkeit erfahren müssen. Ein schönes Ambiente beim Lernen, tolle Rahmenbedingungen, funktionierende Infrastrukturen. Das alles gepaart mit der Leidenschaft, die dort an jeder Ecke zu spüren war, würde Schule sicherlich schneller auf ein höheres Level bringen.

Nun lese ich diesen Text selbst noch einmal und muss mich fragen, warum klingt das alles so toll? Gibt es nichts Negatives zu berichten? Ich muss wirklich nachdenken… eine Sache fällt mir aber doch auf:

1. Obwohl die Agenda klar aufzeigte, dass es am ersten Tag keine Mittagsverpflegung geben würde, verspürten nicht nur wir irgendwann Hunger. Dafür suchen wir im nächsten Jahr eine Lösung.

2. Einige wenige Teilnehmer gehen in Workshops und halten sich weder an die Anweisungen der Referenten noch arbeiten sie mit. Besonders in derart akribisch geplanten Szenarien stieß das unschön auf und störte. Da muss man sich als Lehrer schon fragen, ob man derartiges Verhalten im Klassenraum akzeptieren würde

Einen Punkt, den man bereits im Vorfeld klären muss, ist die Tatsache, wie viel Mitspracherecht Sponsoren haben sollten. Es ist ein Spagat zwischen Abhängigkeit und Einflussnahme, der klar definiert die inhaltliche Gestaltung eines Events nicht beeinflussen sollte. Nicht ganz einfach 😉

Sollte es (finanziell) noch einmal realisierbar sein, so werden Thomas, Marcel und ich die Tabletdays 2018 sicherlich wieder planen und durchführen. Es wäre uns eine große Freude und Ehre zugleich!

Lesen Sie hier weitere Berichte über den Event:

 

Comments ( 5 )

  • Beat Rüedi

    Ich zweifle keinen Moment daran, dass diese Veranstaltung bestens organisiert und ein voller Erfolg war. Und höchstvermutlich waren wirklich die besten Leute im deutschsprachigen Raum in Sachen “Tablets im Unterricht” an diesen TabletDays. Und ja, lebte ich nicht in Berlin, hätte auch ich mich angemeldet – gerade darum, weil ich bis heute nicht weiss, was ich mit einem Tablet als Lehr- und Lerninstrument anfangen sollte (ja, meine Frau hat ein iPad, mit welchem ich manchmal die Zeitung lese oder das Layout meiner Websites überprüfe).

    Setze ich diese Veranstaltung in die Reihe all der ebenso hervorragenden Veranstaltungen der vergangenen 20 Jahre (an manchen, wenn nicht vielen war ich dabei) und beziehe sie zur digitalen Entwicklung (sic!) der Schule, des Unterrichts, des Lernens – ja dann zweifle ich weiterhin am Einfluss solcher Veranstaltungen auf das Geschehen in der Schule.

    Soll ich deshalb gegen solche Veranstaltungen sein? Soll ich “Besseres” bieten können?
    Aber nicht doch!

    Jaaaa – was dann?
    Ab hier würde ich Wasser in den Bodensee tragen – also schliesse ich.

  • Hofmann

    Moin Herr Rueedi,
    das ist eine Überraschung, hier von Ihnen zu lesen. Ich hatte es anderswo bereits erwartet. Sie sind doch Pensionär, da kann Berlin doch nicht zu weit weg sein… warum Sie sich nun ein Tablet didaktisch nicht sinnvoll vorstellen können erschließt sich mir nicht, da Sie ja nun an jeder möglichen Stelle den Einsatz von Smartphones propagieren. Aber was soll es… vielleicht bekommen Sie ja nochmal die Chance teilzunehmen. Und dann verraten Sie mir auch Ihr Geheimnis, wie man es richtig macht, digitale Bildung nachhaltig an die Kollegen zu bringen. Ich bin gespannt.

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