Zeig’ her deinen Homescreen Teil 2 (Wiebke Sausner)

Zeig’ her deinen Homescreen Teil 2 (Wiebke Sausner)

An einem sonnigen, viel zu kalten Pfingstmontag in meinem Lieblings-Hipster-Café fing Torsten neben mir an, den ersten Eintrag für den neuen Blog zu tippen. Ich saß neben ihm und habe meinen Unterricht geplant.

Ich bin Wiebke, 28 und arbeite als Gymnasiallehrerin. Wohl vor allem durch Torstens Einfluss ist mein Workflow ziemlich digitalisiert, wie manche meiner Kollegen sagen würden, ich strebe ernsthaft das papierlose Arbeiten an. Dabei kommt mir zu Gute, dass ich als Berufseinsteigerin erst einmal alles sammle, was mir in die Finger kommt, um es unter Umständen nochmal zu verwerten. Entweder bitte ich Leute mir Material per Mail zu schicken oder speichere es selbst in einem mir gut verständlichen System ab. Diese Material-Messi-Sucht wird durch meine Fächer Wirtschaft, Deutsch und Politik noch unterstützt.

Die Arbeit mit dem iPad habe ich auch schon im Referendariat begonnen. Einerseits habe ich mir damals das iPad aus Faulheit zugelegt (wer will schon die Materialien immer alle ausgedruckt mitschleppen?) und ehrlich gesagt andererseits, weil das iPad die Chance bot im Pädagogikseminar mal kurz Sudoku zu spielen, um die geistige Fitness zu erhalten.

Torstens neue Blog Idee fand ich irgendwie faszinierend. Deshalb habe ich meinen Homescreen von den ganzen Yoga, Pilates und Meditationsapps befreit (jedenfalls eine Seite), um die Top 5 Apps vorzustellen, ohne die mein Lehreralltag weitaus komplizierter wäre:

– Kalender

Teacher Tool / Numbers

Scanner Pro

Keynote

Pic Collage

Die Hauptarbeit als Lehrer ist es ja, die Termine, die von allen Seiten (und gerne auch zwischen Tür und Angel) auf mich einprasseln, zu managen. Dafür eignet sich Kalender hervorragend, weil ich die Termine sowohl auf dem griffbereiten iPhone eintragen kann (obwohl eigentlich für alle in der Schule Handyverbot herrscht…), oder in Ruhe am iPad ergänzen kann. Dabei hilft es, mehrere Kalender zu haben, die sich farblich unterscheiden. Einen Kalender teile ich mit beispielweise mit meinem Kollegen, der ein gleiches Fach hat und mit dem ich Sonderaufgaben zusammen übernehme. So wissen wir immer, was aktuell ist und arbeiten beide an der Aktualität des Kalenders. Beispielsweise haben sich die Konferenztermine für die Zeugnisse wiederholt verschoben, was uns Lehrern per Mail angekündigt wurde. Sobald mein Kollege oder ich dies gelesen haben, wurde der gemeinsame Kalender aktualisiert und wir sind auf dem neusten Stand. Ähnlich geht es auch im Einladungen zu gemeinsamen Treffen, bei denen wir (in Anwesenheit von gutem Kaffee und Cheese Cake) gemeinsame Projekte koordinieren. Statt langer Whats App Konversationen, wann es denn nun ginge, sich zu sehen, senden wir uns Terminvorschläge im Kalender und nehmen diese an, bzw. lehnen sie ab.

Teacher Tool bzw. Numbers, DAS Werkzeug zur Notenverwaltung, für die Verwaltung von Fehlzeiten und als Absicherung, falls auf mysteriöse Weise mal wieder ein Klassenbuch verschwunden ist.

Die Nutzung von TT ist umstritten, es gibt Vorgaben, die die Nutzung dieser App nicht verbieten, ihren Gebrauch aber auch nicht ausdrücklich anraten. Zum Glück ist Numbers nun kostenlos auf dem iPad zu nutzen und auch als jemand, der von Excel keine Ahnung hat (ich habe im Einstiegskurs an der Uni nicht mal das Zertifikat bekommen…), kann man Numbers super zur Verwaltung der Schülerdaten und -aktivitäten nutzen: Anwesenheit, vergessene Hausaufgaben, Ausrechnen von Notenspiegeln, Ausrechnen von Gesamtnoten.

Für diejenigen, die TT nutzen möchten: Wenn man das Kursbuch von TT wirklich pflegt, ersetzt es vieles: Es kann die Langzeitplanung und Absicherung dafür sein, was wir wirklich im Unterricht geschafft haben. Eine super ergänzende Funktion ist auch hier die Verwaltung der fehlenden Hausaufgaben.

Wie ich seit neustem weiß, kann TT die Schüler mehreren Gruppen zuordnen. Das macht einmal Arbeit, die einem aber im Schuljahr zugute kommt. Man kann die Arbeit mal probeweise für die eigene Klasse machen und sie in a) heterogene Leistungsgruppen, b) homogene Leistungsgruppen und c) Freundschaftsgruppen einteilen. Je nachdem, was die Gruppenarbeit verfolgt, arbeiten die Schüler entsprechend zusammen.

Jeder Lehrer, der ein sogenanntes Nebenfach unterrichtet, kennt das Phänomen, dass auf der Zeugniskonferenz im Sommer Schüler benotet werden sollen, deren Existenz man nicht zu 100% zweifelsfrei zuordnen kann. Sagen wir so, man hat eine grobe Ahnung über die Existenz dieses Kindes, aber eine Gesichtskontrolle… Auch da hilft TT, denn man kann (anpassabare) Sitzpläne anlegen und Fotos speichern, so dass man auch die Namen der Schüler lernt, die man nur einmal in der Woche sieht (oder eben auch nicht…). Aber auch hier ist bezüglich der Persönlichkeitsrechte Vorsicht geboten: Wie genau es mit der Nutzung aussieht, erfährt man hier.

 

Zudem sei allen Nutzern von TT angeraten sehr vorsichtig zu sein bei der Aktualisierung auf TT 5.0. Es gab schon frustrierte Fälle von verlorenen Daten und die Handhabung sei nicht zwingend intuitiver, so munkelt man.

Als motivierte Junglehrerin bin ich bemüht, meine Ideale auch im Unterricht umzusetzen. Oder anders: ich probiere viele neue Dinge aus, von deren Qualität ich mir nicht sicher bin, ob sie irgendwie ausgedruckt das genutzte Papier wert wären. Keynote und Pages sind tolle Programme, um auf dem iPad Unterricht vorbereiten, der direkt und ohne Papier zu verbrauchen, an die Schüler gehen kann. Und sollte sich das ach so tolle neue Konzept doch als Mist entpuppen, wird das Dokument gelöscht. Im besten Fall kann ich das Dokument so abändern, dass es bei der nächsten Lerngruppe, die zum Experimentieren dient, verbessert genutzt werden kann.

Die weitere Bearbeitung der Planung und Arbeitsblätter wird durch Apps wie Piccolage und Scanner Pro ergänzt. Sie ermöglichen es, aus den Fotos der Ergebnissen der Schüler Plakate zu machen, um diverse Ergebnisse für alle zu sichern.

Keynote und Piccolage sorgen für unterhaltsame Präsentation, die ich direkt auf unseren Schulserver laden kann. Stundenergebnisse lassen sich direkt einfügen. Und da nicht alle so überzeugte Mac-User sind, kann Keynote die Präsentationen auch als PDF oder als Power Point ausspucken. Diese kann mit einer App wie Documents auch gleich auf dem Schulserver gesichert werden und auf meinem iPad wieder abgerufen werden.

Ehrlich gesagt,  Pages ist weitaus besser als Word auf dem iPad. Es lassen sich damit tolle Arbeitsblätter erstellen, die ich jedoch ehrlicherweise immer noch auf dem Mac nachbereite, um sie in ein ordentliches Format zu bringen. Aber, wer sich mehr mit Pages auskennt, kann das sicher auch ohne Word lösen.

Scanner Pro hat einen weiteren Vorteil. Das Programm scannt, relativ absturzsicher, Dokumente ein über die Kamera des iPads. Es können sehr simpel mehrere Bilder hintereinander gepackt und auch in ihrer Reihenfolge verändert werden. Die damit erstellten Dokumente können easy in die Dropbox gepackt werden, per Mail geteilt werden oder auf den Schulserver gestellt werden. Besagter Kollege von oben profitiert massiv von meiner Nutzung dieser App. So landen die relevanten gescannten Zeitschriftenartikel in unser beider Speicher und wir können je nachdem entscheiden, ob sie einsetzbar sind, oder nicht. Wer ein wenig systematisch vorgeht und die gleichen Suchbegriffe nutzt, wie sie im Kerncurriculum stehen, findet schnell und effektiv Material.

Insgesamt kann ich jedem leicht technik-afinen Lehrer die Arbeit mit dem iPad empfehlen. Angesichts der Lage, dass wir immer mehr zum eigenen Büro werden, hilft das diese Zusatzaufgabe händelbar zu machen und Daten langfristig zu sichern und zu ordnen. Die Arbeit im Alltag wird ebenfalls erleichtert, weil unnützes Kopieren (Was ja auch mit Anstehen am Kopierer verbunden ist. In der Zeit kann man besser in Ruhe Kaffee trinken!) wegfällt und das Problem des vergessenen Ordners nichtig wird.

Viel Spaß mit den vorgestellten Apps! Ich freue mich von Kollegen und ihren Erfahrungen zu hören.

Wiebke

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